TFP & RTM vs. Prepreg-Autoklav: Warum BIONTEC auf TFP-RTM setzt
Zwei Prozessketten, eine strategische Frage
Wer Composite-Bauteile für die industrielle Serienfertigung entwickelt, steht früher oder später vor derselben Frage: Prepreg-Autoklav oder Tailored Fiber Placement kombiniert mit Resin Transfer Molding? Beide Verfahren erzeugen hochwertige faserverstärkte Kunststoffbauteile. Beide haben ihre Berechtigung. Und dennoch unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Eignung für reproduzierbare, skalierbare und kosteneffiziente Produktion.
BIONTEC hat sich bewusst und vollständig auf die Kombination aus Tailored Fiber Placement (TFP) und Resin Transfer Molding (RTM) spezialisiert. Dieser Artikel zeigt, warum und was diese Entscheidung für Ihre Bauteile bedeutet.
Das Prepreg-Autoklav-Verfahren: bewährt, aber mit klaren Grenzen
Das Prepreg-Autoklav-Verfahren hat eine lange Erfolgsgeschichte, insbesondere in der Luft- und Raumfahrt. Vorimprägnierte Faserhalbzeuge (Prepregs) werden manuell oder halbautomatisiert zu einem Laminat aufgebaut, in einen Vakuumbeutel eingeschlossen und im Autoklaven unter Druck und Temperatur ausgehärtet. Das Ergebnis kann sehr hochwertig sein, wenn Prozess und Personal stimmen.
Das Problem: Genau dort liegt die Crux. Der manuelle Anteil beim Lagenaufbau und Vakuumaufbau ist hoch. Die Qualität hängt von der Prozessdisziplin ab. Prepregs müssen tiefgekühlt gelagert werden, haben begrenzte Verarbeitungszeiten und erfordern bei jedem Zyklus eine Vielzahl von Hilfsmaterialien. Der Autoklav selbst ist energieintensiv und limitiert die Kapazität.
Was das Verfahren auszeichnet:
- Hohe Laminatqualität bei sorgfältig ausgeführtem Aufbau
- Hohe Gestaltungsfreiheit bei der Laminatarchitektur
- Etablierte Qualifikationspfade in bestimmten Branchen
Wo es an seine Grenzen stösst:
- Hoher manueller Aufwand, schwer skalierbar
- Kostenintensive Kühlkette für Lagerung und Transport
- Hoher Hilfsmaterialverbrauch pro Zyklus (Vakuumfolie, Abreissgewebe, Dichtband)
- Erheblicher Materialverschnitt beim Lagen-Zuschnitt
- Energieintensiver Aushärteprozess unter Druck und Temperatur
- Begrenzte Automatisierbarkeit bei steigenden Stückzahlen
Je ambitionierter die Kostenziele und je grösser die geforderten Stückzahlen, desto deutlicher treten diese Schwächen hervor.

Tailored Fiber Placement + Resin Transfer Molding: Serienfertigung by Design
Tailored Fiber Placement und Resin Transfer Molding sind bei BIONTEC keine zwei isolierten Verfahren, sondern eine integrierte Prozesskette. Sie ergänzen sich so, dass ein geschlossener, skalierbarer und reproduzierbarer Prozess entsteht: von der Faserablage bis zum fertigen Bauteil.
Tailored Fiber Placement (TFP): Fasern folgen den Kräften
Tailored Fiber Placement ist ein computergesteuertes Sticktechnologie-Verfahren: Endlosfasern werden präzise entlang definierter Lastpfade auf einem Trägermaterial abgelegt und durch ein hochpräzises Stickverfahren fixiert. Das Resultat ist eine lastpfadgerechte Faserarchitektur, die Material exakt dort platziert, wo Kräfte auftreten, und zwar nirgendwo sonst.
Was das in der Praxis bedeutet: Der Materialabfall liegt bei unter 2%, während konventionelle Verfahren typischerweise bis zu 30% Verschnitt erzeugen. Das ist kein marginaler Unterschied, sondern eine andere Grössenordnung an Materialeffizienz. Carbonfasern sind teuer. Jedes Gramm, das unnötig verbraucht wird, senkt die Wirtschaftlichkeit des Bauteils.
Bei BIONTEC wird TFP im Rahmen des sogenannten Bionic Fiber Placement weiterentwickelt: Biologische Vorbilder dienen als Grundlage für die Faserarchitektur. Wie in der Natur wird Material gezielt dort eingesetzt, wo Belastungen entstehen. Strukturberechnung per FEM-Analyse ermittelt die Lastpfade, bionische Optimierung übersetzt sie in Faserverläufe, und die TFP-Maschine setzt sie computergesteuert um.
Resin Transfer Molding (RTM): Kontrollierte Qualität im geschlossenen System
Resin Transfer Molding ist ein geschlossenes Fertigungsverfahren: Die trockene TFP-Preform wird in ein zweiteiliges Werkzeug eingelegt, die Kavität geschlossen und das Harzsystem unter Vakuum kontrolliert in die Faserstruktur injiziert. Nach der Aushärtung unter definierten Bedingungen wird das konsolidierte Bauteil entformt.
Das geschlossene Werkzeugsystem macht den entscheidenden Unterschied: Prozesskontrolle über Materialeinsatz, Faservolumengehalt und Bauteilqualität ist reproduzierbar. Beidseitig hochwertige Oberflächen entstehen direkt aus dem Werkzeug, ohne aufwendige Nachbearbeitung. Lufteinschlüsse und Porositäten werden durch die Vakuumumgebung und optimierte Entlüftungsführung weitgehend eliminiert.

Die Unterschiede an einem Bauteil erklärt
Bevor die beiden Verfahren im Detail gegenübergestellt werden, zeigt die folgende Grafik die zentralen Unterschiede zwischen TFP-RTM und dem Prepreg-Autoklav-Verfahren anhand eines realen Bauteils. Die Auswirkungen auf Faserarchitektur, Materialeffizienz, Oberflächenqualität und weitere zentrale Vorteile werden hier direkt ersichtlich:

Detaillierter Vergleich der Verfahren
Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Unterschiede beider Prozessketten auf einen Blick:
5 Gründe, warum TFP & RTM überzeugen
1. Fasern werden nicht zugeschnitten und somit nicht zerstört
Bei konventionellen Prepreg-Verfahren werden Carbongewebe zugeschnitten. Das klingt nach einem technischen Detail, hat aber weitreichende Konsequenzen: Beim Schneiden werden die Fasern durchtrennt. Genau dort, wo ein Schnitt gesetzt wird, verliert das Laminat an Festigkeit. Besonders kritisch wird das an Löchern und Ausschnitten: Klassisch gefertigte Laminate werden in diesen Bereichen geschwächt, weil die Fasern unterbrochen sind.
Tailored Fiber Placement geht einen grundlegend anderen Weg. Die Fasern werden nicht zugeschnitten, sondern kontinuierlich und lastpfadgerecht abgelegt. Um Löcher wird gezielt herumgestickt, wobei die Faserarchitektur der lokalen Krafteinleitung folgt. Das Ergebnis sind Bauteile, die gerade an den kritischsten Stellen strukturell stärker sind als vergleichbare Laminate aus zugeschnittenem Gewebe.
2. Materialeffizienz auf einem anderen Level
Beim Prepreg-Verfahren entsteht Verschnitt zwangsläufig: Lagen werden zugeschnitten, Überlappungen entstehen, Reste verbleiben. Bei Tailored Fiber Placement hingegen werden Fasern nur dort abgelegt, wo sie strukturell benötigt werden. Der Abfall liegt unter 2%, gegenüber bis zu 30% bei konventionellen Schneideverfahren.
Für Bauteile aus carbonfaserverstärkten Kunststoffen, die einen erheblichen Materialwert haben, macht dieser Unterschied über eine Serienproduktion hinweg einen spürbaren wirtschaftlichen Unterschied aus. TFP ist damit nicht nur ökologisch sinnvoller, sondern auch betriebswirtschaftlich überlegen.
3. Automatisierung und Reproduzierbarkeit
Das Prepreg-Verfahren ist in seiner klassischen Form auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Lagen werden manuell eingebracht, Positionen geprüft, Vakuumaufbauten vorbereitet. Dieser Handarbeitsanteil ist kostenintensiv und birgt natürliche Qualitätsschwankungen.
Tailored Fiber Placement und Resin Transfer Molding sind dagegen von Grund auf auf Automatisierung ausgelegt. Die Faserablage erfolgt computergesteuert, reproduzierbar, nachvollziehbar, dokumentierbar. Die Harzinfusion im geschlossenen RTM-Werkzeug läuft unter definierten, überwachbaren Parametern ab. Das Ergebnis: konstante Bauteilqualität über alle Fertigungszyklen hinweg.
Für Einkäufer und Produktionsplaner bedeutet das planbare Zykluszeiten, kalkulierbare Stückkosten und eine Qualitätssicherung, die auf messbaren Prozessparametern basiert, nicht auf Tagesverfassung oder Handgeschick.
4. Tiefere Betriebs- und Energiekosten
Prepregs sind empfindlich: Sie müssen tiefgefroren gelagert werden, haben begrenzte Verarbeitungszeiten und erfordern pro Zyklus zahlreiche Einwegmaterialien wie Vakuumfolien, Abreissgewebe und Dichtbänder. Hinzu kommen lange Autoklavzyklen mit hohem Druck und erhöhten Temperaturen, was den Energieverbrauch pro Charge deutlich erhöht.
RTM-Harzsysteme benötigen keine Kühlkette und kommen mit deutlich weniger Hilfsmaterialien aus, da die Injektion im geschlossenen Werkzeug stattfindet. Gleichzeitig werden RTM-Werkzeuge lokal temperiert und ermöglichen kürzere Zyklen. Das senkt Betriebskosten, reduziert logistischen Aufwand und verbessert den ökologischen Fussabdruck der Fertigung.
5. Skalierbarkeit für die industrielle Serienfertigung
Hier zeigt sich der vielleicht wichtigste Unterschied: Das Prepreg-Autoklav-Verfahren stösst bei steigenden Stückzahlen an natürliche Grenzen. Zykluszeiten lassen sich kaum komprimieren, Personalaufwand lässt sich kaum reduzieren, der Autoklav als Engpass bleibt.
TFP + RTM ist für die Serienfertigung konzipiert. Die automatisierte Faserablage erzeugt reproduzierbare Preforms. RTM-Werkzeuge sind für tausende Zyklen ausgelegt. Die Prozesskette lässt sich skalieren, ohne dass die Kosten proportional steigen. Genau das brauchen industrielle Abnehmer in Maschinenbau, Robotik, Medizintechnik und Luftfahrt: eine Prozesskette, die mit den Anforderungen wächst.
Wann das Prepreg-Autoklav-Verfahren dennoch die richtige Wahl ist
Ehrlichkeit gehört zur Beratung. Das Prepreg-Autoklav-Verfahren hat seine Berechtigung, besonders in folgenden Situationen:
- Prototypen und sehr kleine Stückzahlen: Wenn die Werkzeugkosten für RTM unverhältnismässig wären, bietet Prepreg einen wirtschaftlicheren Einstieg.
- Maximale Designfreiheit beim Laminataufbau: Für sehr komplexe Laminatarchitekturen, die volle Flexibilität bei Lagen und Orientierungen erfordern, hat Prepreg Vorteile.
- Bestehende Qualifikationspfade: Wo behördliche Zulassungen oder Kundenvorgaben spezifisch auf Autoklav-Prepreg ausgerichtet sind und eine Neuqualifikation vermieden werden soll.
Die Entscheidung zwischen beiden Verfahren hängt immer vom konkreten Anforderungsprofil ab: Stückzahl, Bauteilkomplexität, Qualitätsanforderungen, Zeitrahmen und Wirtschaftlichkeitsziele. BIONTEC analysiert diese Faktoren gemeinsam mit den Kunden, ohne vorgefertigte Antworten.
Der BIONTEC-Ansatz: Bionische Faserarchitektur trifft industrielle Serienfertigung
BIONTEC hat sich bewusst und vollständig auf die Kombination aus Tailored Fiber Placement und Resin Transfer Molding spezialisiert. Diese Entscheidung folgt einer klaren Überzeugung: Moderne Serienfertigung verlangt nach Prozessen, die skalierbar, energieeffizient, reproduzierbar und wirtschaftlich tragfähig sind. Das Prepreg-Autoklav-Verfahren kann das bei steigenden Anforderungen nicht in gleicher Weise leisten.
TFP erlaubt es, bionische Prinzipien direkt in die Faserarchitektur zu übersetzen. Wie in der Natur wird Material exakt dort eingesetzt, wo Kräfte auftreten. Lastpfade werden per FEM-Analyse berechnet, Faserverläufe in Stickdaten übersetzt und computergesteuert umgesetzt. RTM sorgt anschliessend für reproduzierbare Harzinfusion im geschlossenen Werkzeug, von der Kleinserie bis zur wirtschaftlichen Grossserie.
Das Ergebnis sind Composite-Bauteile mit optimiertem Festigkeits-Gewichts-Verhältnis, beidseitig hochwertigen Oberflächen und einer Prozesskette, die skaliert werden kann. Von der Anforderungsanalyse über FEM-Simulation, Prototypenentwicklung und Preform-Fertigung bis zur qualifizierten Serienfertigung begleitet BIONTEC Projekte in Maschinenbau, Robotik, Medizintechnik, Messtechnik, Luft- und Raumfahrt.
Unser Ansatz im Überblick:
- Werkstoffauswahl: Basierend auf spezifischen Lastfällen und Anforderungen
- Simulation: FEM-Analyse zur Ermittlung der Lastpfade und Optimierung der Faserarchitektur
- Tailored Fiber Placement: Computergesteuerte, bionisch optimierte Faserablage mit Sticktechnologie
- Resin Transfer Molding: Kontrollierte Harzinfusion im geschlossenen Werkzeug für reproduzierbare Qualität
- Skalierbare Produktion: Vom Funktionsprototypen bis zur wirtschaftlichen Serienfertigung
Fazit: Verfahrenswahl als strategische Entscheidung
Die Wahl zwischen Prepreg-Autoklav und Tailored Fiber Placement in Kombination mit Resin Transfer Molding ist keine rein technische Frage. Sie ist eine Entscheidung über Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit und Fertigungsphilosophie.
Wer Einzelteile und Prototypen mit maximalem Gestaltungsspielraum fertigt, findet im Prepreg-Verfahren einen bewährten Partner. Wer aber reproduzierbare Serienbauteile mit hoher Materialeffizienz, kürzeren Zykluszeiten und automatisierbaren Prozessen benötigt, kommt an TFP + RTM nicht vorbei.
BIONTEC hat diese Entscheidung getroffen und entwickelt für Kunden aus unterschiedlichsten Branchen massgeschneiderte Lösungen, die genau das einlösen: technisch hochwertige Composite-Bauteile, die wirtschaftlich und reproduzierbar gefertigt werden können.
Haben Sie ein Bauteil, das von Tailored Fiber Placement und Resin Transfer Molding profitieren könnte? Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose und unverbindliche Beratung.

